Rennbericht Mayrhofen Ultraks MUZ30

Am Samstag, den 10.09. bin ich den Mayrhofen Ultraks gelaufen. Bis 5min vorm Start war mir noch nicht klar, ob ich beim MUZ30 starten soll, oder nicht!

Vor einiger Zeit habe ich berichtet, dass Gesundheit und Vernunft vorgehen! ABER dass ich auch mich so gerne auf den Trails rumtreibe!

Nun 2022 war lauftechnisch bescheiden. Entzündung im Fuss, Corona, Aussenbandriss im linken Sprunggelenk und nun doch wieder seit sechs Wochen im Training. Vor zwei Wochen machte ich noch zu nem Kumpel den Spruch: jetzt passiert definitiv nix mehr, soviel Pech kann selbst ich nicht haben!

Paar Tage später zuckte es im Rücken. Im Urlaub wurde es schlimmer: rechtes Bein konnte ich nicht anheben, hatte 24h täglich Schmerzen! Manchmal zuckte es beim falschen Auftreten durch den ganzen Körper! Meine Tochter konnte ich auch nicht mehr hochheben. Massage, Sauna, schwimmen, viele Rückenübungen, Trauma Gel, Schmerztabletten, Bier – ich versuchte alles, doch wirklich besser wurde es nicht. Ist es was muskuläres? Bandscheibe? Eingeklemmter Nerv? Was ausgerenkt? Ich wusste nur, es tut höllisch weh und wieder mal hatte ich Pech! Saison 2022 – Haken dran! Und einen Blick auf 2023 werfen!

Meine Frau Julia meinte schließlich: probiere es doch einfach! Aufgeben kann man noch immer! Schliesslich sind Lauf und Hotel ja bezahlt 🙂 Sie hat recht, doch ist es das wirklich wert?

Ein Traillauf tut irgendwann immer weh, doch bereits beim Start? 🙂 Hinzu kommt, dadurch das ich immer wieder aus dem Tritt 2022 kam, bin ich dieses Jahr noch keine 30km gelaufen. Eigentlich verrückt.

Die Nacht zuvor war bescheiden. Ich bin ein Kopfmensch und soviele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Was passiert wohl? Starte ich? Laufe ich und es wird schlimmer? Wird es besser? Kann ich doch meinen Lauf wie geplant machen? Wo stehe ich fitnesstechnisch?

Nach der durchwachsenen Nacht und den Schmerzen im Rücken, spazierte ich gemütlich zum Start! Kein Warmlaufen, kein Warmmachen. Will nichts riskieren 🙂

Dann gehts mal los! 8:15 Uhr war der Startschuss und zu erst 1,5km durch das schöne Mayrhofen! Bisher lief es gut, das Wetter meinte es ebenfalls gut mit uns und nun warteten die knapp 2000 Höhenmeter – und los gehts! Mein Kopf war am rattern, ist das wirklich eine gute Idee! Doch von Meter zu Meter und der tollen Aussicht: versuchte ich es zu genießen! Mein Puls war höher als gedacht, aber das Adrenalin und die Aufregung erklärten dies! Ich beschloss mitzunehmen was geht und aufgeben kann ich jederzeit! Das Leben in den Bergen macht sich bemerkbar, Uphill läuft! Das Wetter war nahezu perfekt und nach 1,5h war ich oben! Kleine Stärkung und weiter gehts! Meine Muskeln und mein Körper fühlen sich besser als gedacht! Also weiter gehts! Mir war natürlich bewusst, dass es heute keine Top Performance werden würde, aber das geilste ist doch: ich kann laufen! Und das war in diesem Moment, nach fast zwei Wochen Schmerzen, einfach das wichtigste für mich! Nebel, Regentropfen, Sonnenschein und ein Regenbogen 🌈 – uns wurde so einiges da oben geboten! Dann ging es irgendwann in den Downhill und ich dachte er wäre laufbarer, doch technischer als erwartet! Direkt über eine Kuhheide aus Matsch und Sch… und auf dieser haute es mich dreimal hin! Mitten rein. Falsches Profil gewählt – das war die Quittung! Zum Glück passierte nix schlimmes und nur die Haut meines rechten Daumens musste leiden! Shit Happens – wortwörtlich! Die Vernunft siegte und ich lief langsamer! Da aber weder der Rücken schmerzte, noch der Daumen abfiel gab ich mehr Gas! Ich genoss jeden Meter, habe mich 2-3x verlaufen, ca. 10x die Schuhe gebunden und grinste! Ja es war anstrengend, ja jeder Fehltritt hätte in den Rücken ziehen können und vor dem Downhill hatte ich den größten Respekt, aber ich zog es durch! Die Oberschenkel brannten, ich überholte auf den letzten 4km noch einige der tapferen Läufer:Innen und genoss die Stimmung im Herzen Mayrhofens! Vorm Ziel falsch abgebogen 😬, korrigiert und den obligatorischen Zielsprung – und während ich durch die Luft segelte, bekam ich einen Krampf und … landete im Ziel wie ein sterbender Schwan – sicherlich lustig für alle Zuschauer 😂😂

Ob ich zufrieden bin? Jein … zum Einen logisch, ich konnte durchlaufen und habe gefinished! Das war mehr, als ich die letzten Tage erwarten konnte! Aber doch minimal leicht gedämpfte Stimmung, dass ich dann nicht die Performance abgeliefert habe, die ich mir vorgenommen habe! Aber das Glück oberwog! Ein Traillauf – yes!

Danke an meine Frau Julia und meine Tochter!

Danke an meinen Coach Lars von Two Peaks Endurance der dieses Jahr viel Geduld mit mir haben musste und mich immer wieder auf die Herausforderungen vorbereitete!

Danke an das ganze Team vom Mayrhofen Ultraks Zillertal – tolle Organisation, super Helfer:Innen (danke fürs Verarzten und das Pflaster an der VP 👍) – einfach geile Veranstaltung!

Danke an alle Mitstreiter:Innen – die genauso viel Spaß hatten und danke an den Läufer der mir bei Sturz 3 zur Seite stand – er hatte das bessere Schuhprofil 😬

Danke an Sporthunger für die tollen Verpflegungsprodukte – sehr empfehlenswert! Schaut mal bei den Jungs vorbei!

Nachbericht zum Churfranken Trail

30km, knapp 750 Höhenmeter – der Mountain King. So nennt sich der längste Lauf des alljährlich stattfindenden Trailruns von tripaul.de in Sulzbach am Main (Ldk. Aschaffenburg).

2019 war ich das erste und bisher letzte Mal am Start. Und dieses Mal war es eine ganz spontane Sache. Ich bin die Woche zuvor den Marathon in Innsbruck gelaufen und einen Tag später bei der Heimfahrt dachte ich mir: melde dich doch noch für den Churfranken Trail an – ist schließlich dein Heimrennen. Abends war jedoch die Anmeldung geschlossen. Zum Glück konnte ich kurzfristig mit dem Veranstalter André “Paul” telefonieren und er fügte mich noch ins Starterfeld. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle nochmal.

Montags fühlten sich die Beine schon gut an, also bin ich Mittwochs wieder ins Training eingestiegen. Vor dem Churfranken sah mein Training dann wie folgt aus:

  • Mittwoch: 60min LDL Zone 2
  • Donnerstag: 60min LDL Zone 2
  • Freitag: 60min Mobility
  • Samstags: 2x30min Radfahren inkl. Biergarten & Spielplatz mit unserer Tochter

Und Sonntags war dann der Churfranken Trail. Start war 10:00 Uhr, und ich fuhr gemütlich gegen 9:15 Uhr gen Sulzbach. Viele Läufer*innen tümmelten sich bereits dort und ich lernte einige von Strava & Instagram kennen. So auch den On-Running Athlet Matthias Krah, der vor Kurzem noch beim TDS des UTMB in Chamonix im Einsatz war.

Kurz vor 10:00 Uhr ging ich – mit Maske – in den Startblock. Viele bekannte Gesichter, einige Unbekannte und ich mittendrin. Wie fit sind meine Beine wirklich? Nach einer Woche zwischen 42km und 1.700 Höhenmeter und jetzt erneut 30km mit einigen Höhenmetern. Wir werden es herausfinden 😉 Als Strategie gab mir mein Coach Lars mit, dass ich bis zur letzten Schleife (sprich die letzten 10km) in einem Pulsbereich unter 147 bleiben sollte. In Innsbruck hatte ich zu früh losgelegt und wurde mit Krämpfen belohnt. Zudem sollte ich max. eine Verpflegungsstation von Vieren ansteuern und immer ausreichend Wasser bei mir führen! Gesagt – getan!

Es ging direkt vom Sportplatz mit dem ersten Anstieg los. Hier konnte ich in ein gutes Tempo mich einpendeln und mich nach vorne arbeiten. Oben ging mein Puls leicht nach oben und ich musste nun bei diesem Tempo bleiben. Es ging über Singletrails durch den Wald und dann wieder Downhill auf die andere Seite des Waldes zur großen Schleife. Bei jedem steileren Anstieg war ich einer der wenigen, der dann wirklich nur ging. Viele trippelten in kleinen Schritten und hechelnd an mir vorbei. Aber ich blieb ruhig und dachte an meine Taktik. Denn viel schneller kamen einige den Berg auch nicht hoch, verbrauchten aber eindeutig mehr Energie. Da kam bereits die erste Verpflegungsstation die ich direkt außen vor lies. Und weiter. Auf geraden Strecken konnte ich wieder das Tempo steigern, bis zum nächste Anstieg. Ich glaube einige dachten sich nur: “Der hat wohl nicht trainiert!”, oder “Wieso rennt er immer wie ein Bekloppter, aber dann geht er sobald es aufwärts geht” – sicherlich dachten sich einige einiges in ihrem Kopf 🙂

Was ich zu diesem Zeitpunkt merkte, meine Beine sind fit und fühlen sich gut an. Doch was passierte dann? Ein kleines spitzes Steinchen kam in meinen Schuh. Das ist mir ja noch nie passiert. Was tue ich? Bin grad im Flow. Ich lief 7km weiter. Erst bei der Verpflegungsstation Nr. 2 blieb ich stehen, zog den Schuh aus und direkt wieder an, füllte das Wasser auf, eine Banane in den Mund und weiter. Hmmm .. eigentlich war das nicht geplant. Wollte bei VP3 auftanken, aber gut. Besondere Umstände. Wieder liefen 5-6 Läufer an mir vorbei, die ich nun erneut überholen musste. Ich war vermutlich aktuell irgendwas zwischen Platz 40-50. Keine Ahnung. Ich finde es im Ziel heraus. Und los ging es. Ein etwas älterer Mitstreiter war ein zäher Hund. Ich glaube von km 10 – 23 wechselten wir uns immer wieder ab. Steigung Punkt an ihn, flach Punkt an mich. Bei einer engen Kehrtwende bremste er mich sogar aus. Oh man 🙂 Warum? Welch Ehrgeiz hat den ihn gepackt, um zu solchen Mitteln zu greifen? Ich lies mich nicht beirren und machte mein Rennen so wie ich mir vornahm. Ich zog an ihm vorbei und schwups der Schuh ging auf. Toll. Beim Steinchen auswerfen wohl nicht richtig gebunden. Also schnell bücken und weiter gehts. Paar km weiter verlor ich eine Flask – wieder schnell bücken und hoch. Dinge die mir nie bei einem Rennen passieren, nervig sind, Kraft und Zeit kosten – aber hilft ja nichts.

Irgendwann war der Herr nicht mehr in meinem Blickwinkel und auch alle anderen die mich durch mein Stein-Fauxpas überholten, sammelte ich wieder ein. Hmmm km 18 – jetzt kann ich doch langsam mal Tempo machen. Ich lief los, fühlte mich gut, trank brav Wasser, nahm noch ein paar ClifBloks zu mir und machte mein Ding. An VP4 konnte ich wieder ein paar Plätze gut machen und fand nun meinen Wettkampf Rhythmus (auch wenn anstrengend). Und es lief. Von weitem visierte ich immer die nächste Person vor mir an und schlich mich förmlich aus dem Windschatten an und zog vorbei. Zwei Läufer motivierten mich, riefen mir hinter her: “Sehr stark. Weiter so. Hol sie dir…” – das beeindruckte mich sehr und gab mir einen Extraschub. Das ist auch ein Grund weshalb ich diesen Sport liebe. Auch wenn wir Konkurrenten sind, machen wir das aus Leidenschaft und Spaß und unterstützen uns am Ende gegenseitig. Noch 5km – wieder erblickte ich einen Läufer. Bis ich in bei nach wenigen Minuten einholte. Er wirkte überrascht. Aber dann war es zu spät. Noch 3km und vor mir etwas gelbes 🙂 Das wird wohl noch meine letztmögliche Gelegenheit sein, einen Platz gut zu machen. Denke bin nun zwischen Platz 20-30! Aber er war ein flotter guter Läufer und irgendwann bemerkte er mich. Ich gab nun alles – All Out – entweder bekomme ich jetzt einen Krampf oder es geht gut. und ich zog 1km vorm Ziel an ihm vorbei. Und beschleunigte noch. Der letzte Downhill zur Turnhalle, einmal um den Sportplatz und da ist das Ziel – ein kläglicher Sprung fürs Finisher Foto, doch dann ballte ich die Fäuste und die Emotionen brachen aus mir heraus!

Mein Plan war es unter 2:45h zu laufen. Beim letzten CFT hatte ich glaub ich eine 2:59h. Und was steht da? 2:28:39? – ich bin unter 2:30h gelaufen! Lecko mio! Damit rechnete ich überhaupt nicht. Was ist denn hier passiert? Geil geil geil 🙂

Mein Mitstreiter kam auch ins Ziel und beglückwünschte mich und meinte nur, was war denn das am Ende? Eine 3er Pace? Bekloppter Typ 😀 und lachte! Wir gaben uns die Hand und aßen ein Stück Kuchen 🙂 Erwähnte ich bereits, wie sehr ich diesen Sport liebe?

Zur Verdeutlichung: die letzten Kilometer war ich auf dem Weg zurück ins Stadion 6. Schnellster, im Zielkanal 7. Schnellster und hatte tatsächlich eine Pace von 3:22 min/km und bei der letzten Runde auf Platz 9.

Gesamt bedeutet dies: Ich wurde beim diesjährigen Mountain King 12. Gesamt und 4. in meiner AK M40! Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet und ist einfach nur genial, oder? Top 10 knapp verpasst, aber dass ich überhaupt in die Nähe dorthin komme … unfassbar! Mal sehen ob eine 2:25 oder sogar 2:20h hier noch drin ist. Kann die Strecke im Training ja jederzeit laufen! 🙂

IATF21 – Teil 3: der Nachbericht zum K42

Endlich. Endlich konnte ich wieder in den Bergen einen Wettkampf laufen. Übers Jahr dachte ich mir, Wettkämpfe sind mir gar nicht mehr so wichtig. Es ist einfach schön, seine neuen Touren in den Bergen laufen zu können. Allein. In seiner Zeit. Doch irgendwie fehlte mir das andere doch. Die Anspannung, die Menschen, das Außenherum … Mehr dazu weiter unten im Text 😉

Wir (meine Familie und ich) sind bereits am Donnerstag per Bahn angereist. Wir dachten mit Kleinkind ist das entspannter. Können zusammen in Ruhe spielen, genug Zeit zum Umsteigen usw. – doch bereits im Zugabteil war die Entspannung weg, als auch beim Umsteigen. Der erste Sprint des Tages. Dazu fiel 15 min vor Innsbruck der Zug wegen eines Defektes aus. Nochmal alles packen und rüberrennen. Ein Traum. In Innsbruck angekommen, war der Streß erst mal weg. Eine wunderschöne Stadt, die Sonne scheint und das Hotel direkt um die Ecke. Und die kleine Maus hat direkt Hunger 😊 Stresslevel steigt wieder 😀

Freitag – der Tag vor dem Wettkampf. Vormittags haben wir uns entschieden bei bestem Wetter die Stadt ein wenig anzuschauen, gemütlich zu Frühstücken und in den Alpenzoo zu gehen. Dass es am Ende 27 Grad im Schatten sind und der Alpenzoo (trotz Bahn) einige Höhenmeter hatte, machten mich ziemlich fertig. Ich versuchte viel zu trinken, aber puh … schwitzte mehr raus! Am Ende waren wir den ganzen Tag auf den Beinen und ich war doch recht müde. Gerade die Beine und alles zwickte und war verhärtet. Yeah 😊 Ich fuhr dann nachmittags mit dem Bus in die Olympia World, checkte beim Lauf ein, fachsimpelte mit Dynafit wegen des Flasks Problem an meinem Rucksack und holte meine Startunterlagen ab. Und so langsam kribbelte es. Das Event packte mich und die Anspannung stieg ein wenig. Nach einem leckeren vietnamesischen Abendessen (am anderen Ende der Stadt), legten wir uns ins Bett. Ich legte grob alles zu Recht und um 5:45 Uhr klingelte der Wecker.

Samstag – ich war schon früher wach. Problem – die Betten quietschten so laut, dass sobald ich mich bewegte, meine Tochter und/oder Frau wach werden. Ich rollte mich aus dem Bett und im Dunkeln suchte ich meine sieben Sachen zusammen, um mich dann im Flur des Hotels anzuziehen. War etwas komplizierter. Danach zum Hauptbahnhof gelaufen, leichter Nieselregen, jedoch nicht kalt. Auf der Suche nach dem Bus, aß ich meine Banane (denn an meinen Rosinenzopf kam ich im Zimmer nicht, raschelte zu laut). Sah die Busnummer, flitzte hin, verlor dabei die Hälfte meiner Banane und der Busfahrer machte vor meiner Nase die Tür zu. Toll. Hatte doch noch 3 min Zeit? Er hätte auch einfach sagen können, dass er Dienstende hat. Also wieder fünf Buslängen zurückrennen. Puh. Ab geht’s.

An der Olympia World war schon einiges los. Ich gab meine Drop Bag ab und setzte mich in den Shuttle Bus nach Kranebitten. Ich war erstaunlich entspannt, aber beobachtete alle Läufer*innen. Wie sie ausgestattet sind, die Aufregung, die Stimmung. War von allem was dabei.

In Kranebitten lief ich mich ein wenig warm und traf Steffen. Wir beide trainieren bei Lars von Michael Arend Training und kannten uns nur aus der WhatsApp Gruppe. Dann ging es zum Startblock. Auf dem Weg aß ich noch eine ClifBar und quetschte mich nach einem „Equipment-Quick-Check“ in den Block. Tief durchatmen. Sitzt alles richtig. Und los. Die Taktik war, die Hälfte des Rennens bei einem Puls von unter 140 zu bleiben. Gar nicht so einfach, aber bis zur Mutterer Alm ging es bergauf. Die Strecke war laufbar und länger flach, als ich dachte. Bis zur ersten VP ging es nicht wirklich hoch. Wann kommen denn die Höhenmeter? Ich lief genau meinen Stiefel. Verpflegte mich ein wenig und ging weiter. Und dann ging es doch hoch und es war mehr ein Hiken, als Laufen. Aber das ist ok. Uns erwarten 42km und wir sind am Anfang. Ich war gut drauf und die Schwere in den Beinen vom Vortag wie weggeblasen. Ich beobachtete auch den Rest des Teilnehmerfelds und wunderte mich, wieso man in Minischritten bergauf läuft, anstatt einfach zu gehen. Kostet doch viel weniger Energie. Aber jede*r soll ihr / sein Tempo laufen. Ich blieb bei der Vorgabe von Coach Lars, und trotzdem schwankte meine Herzfrequenz und kam auch über die Schwelle. Bei km15 waren wir dann an der Mutterer Alm. Definitiv das Highlight des Laufes. Sowohl von der Aussicht als auch der Stimmung. Auch wenn der Weg über die viele Wurzeln nach oben manchmal mühselig war. Ich bog zur VP ab, nahm ordentlich Salz und Bananen zu mir. Füllte die Flaschen auf und zog den Rucksack ab, um die Laufstöcke hinten wieder zu befestigen. Ab jetzt wird gelaufen! Da müssen die Hände frei sein 😉 Und los gings. Ab jetzt kamen viele laufbare Wege und viele tolle Singletrails. Auch hier waren viele Wurzeln unterwegs, aber es machte einfach Spaß. Ich lies es laufen. Und drückte zu sehr aufs Tempo. Ich überholte einen nach dem anderen. Und mein Selbstbewusstsein stieg. Das Training zahlte sich voll aus. Erst langsam machen und dann richtig Spaß haben. Dies ging auch bis km25 super. Dann rutschte ich weg und mein linker Oberschenkel verkrampfte. Ich machte langsamer und merkte, wenn ich noch mal falsch belaste, bricht der Krampf richtig aus. Cool bleiben, Timo. Ganz cool bleiben. Ich atmete tief durch und versuchte meine Gedanken von den Beinen abzulenken. Gelang mal mehr oder weniger gut. Dann kamen wieder Downhill Passagen und da wurde es verdammt kritisch. An der nächsten VP nahm ich eine Handvoll Salz zu mir und paar Bananen. Noch paar ClifBloks hinterhergeschoben und viel getrunken. Zum Glück laufen wir erstmal über Straße und kurz danach ging es wieder in den Wald und Downhill. Ich versuchte ein Tempo zu finden, mit dem ich gut vorankam, jedoch aber auch keinen Krampf riskieren würde.

Bei km33 war denn so weit, Beide Oberschenkel zogen zu. Ich sah direkt mein DNF. Ich musste stehen bleiben und alle zogen wieder an mir vorbei und sahen mich herumhumpeln. Was lief falsch? Egal. Was kann ich jetzt machen, um zu finishen? Ruhig bleiben. Richtig. Ich bewegte mich, wie auf rohen Eiern und ging und ging um dann wieder ins Laufen überzugehen. Eine VP wartet noch. Die sollte ich zwar links liegen lassen, aber ab jetzt ist die Taktik egal. Und von einer Traum Zielzeit von 4:30h habe ich mich verabschiedet. Ich schaffte es zur nächsten VP und löffelte das Salz. Trank noch mal Isogetränke und lief weiter. Es ging, aber nicht toll. Vor jedem Up- oder Downhill hatte ich echt Respekt. Ich konnte die tolle Umgebung gar nicht wahrnehmen. Es ging durch eine schöne Schlucht, durch die die türkisblaue Inn floss. Richtig toll, aber ich beißte mich durch und vor mir eine Läuferin, deren Tempo ich zumindest beibehalten konnte. Doch irgendwann verlor ich sie fast aus den Augen. Ich muss doch noch laufen können? Kann doch nicht nichts mehr gehen. Und was war das? Es ging noch mal rauf? WIESO? 🙂 Mit einer anderen Mitstreiterin kämpfte ich mich nach oben, an einigen Wanderern vorbei und es ging rauf und rauf. Das bedeutet jedoch, es geht auch bald wieder runter! Davor hatte ich bammel. Wir hatten das gleiche Tempo, sie sah eindeutig fitter aus. Aber für mich zählt nur die Ziellinie, ob jetzt vor oder hinter ihr … ich muss da erstmal hinkommen. Was ich generell beim Lauf beeindruckend fand, dass die Personen, die überholt wurden, einen noch motivierten und anfeuerten. Oder wenn wir merkten, wir kämpften beide, uns über unsere Wehwehchen austauschten und beklagten (das Knie, der Oberschenkel … jeder hatte was anzubieten… was aber bedeutete – es ging allen zum jetzigen Zeitpunkt gleich) und uns Mut machten, ins Ziel zu kommen.

Ich schaute auf die Uhr und eine SUB5 ist möglich. Das war das ursprüngliche Mindestziel und vor dem Lauf hätte ich das auch sofort unterschrieben. Ich konnte meine Zeit bei solch einem Lauf vorab gar nicht einschätzen, aber unter 5h nehme ich. Auf geht’s!

Downhill … in Serpentinenform. Warum? Eng um die Ecken rennen ist jetzt alles was ich NICHT brauche. Ok los geht’s … vorsichtig, aber in einem gewissen Tempo. Das muss doch gehen. Die Dame hinter mir, bekam wohl jetzt auch Krämpfe… kann so gut mitfühlen …

Km40 hatte ich noch eine Pace von 9:45min/km (hier ging es auch noch mal 57m hoch), Km41 4:39min/km und Km42 – der Zieleinlauf – eine 4:21min/km. Da vorne ist das Stadion, die letzten Meter, noch eine Schleife drehen und da ist das Ziel. Ich holte noch 2-3 Personen ein und auch die Dame die 6km vorm Ziel mir davonzog. In der letzten Kurve zog ich vorbei und sprang von meinen Gefühlen überwältigt (keine Ahnung warum, aber die Anspannung fiel ab & ich merkte, ich habe es geschafft) ins Ziel nach oben! Puh … was ein Lauf. Und wen haben wir im Zielbereich: meine Tochter Valeska und meine Frau Julia. Das gab mir noch mal einen extra Push! Ohne die Beiden wäre dieser Lauf nie möglich gewesen. Sie mussten aufgrund des ganzen Trainings öfters auf mich verzichten. Und dafür kann ich nur ein riesengroßes DANKESCHÖN sagen!

Ich unterhielt mich im Ziel noch mit Steffen, trank ein paar alkoholfreie Weizen, nahm Vitamine zu mir und ging direkt mit meiner Familie auf den Spielplatz! 😊 Keine Pause – als Familienpapa, keine Chance 😊

 

Jahresrückblick 2020

Kennt ihr das? Es gehen einem so viele Gedanken durch den Kopf, die ich alle irgendwie halbwegs sortiert in diesen Artikel stecken will. Nun fange ich an … und rede um den heißen Brei herum, da mir der Einstieg nicht gelingen mag!

2020 – aus sportlicher Sicht. Ich kann dies natürlich nicht nur aus sportlicher Sicht betrachten, sondern auch aus privater Sicht. Denn passiert ist 2020 einiges! Und ich rede nicht von dieser Sache, die aktuell die Themen rund um die Welt beherrscht!

Ich versuche gerade zu überlegen, wie begann das Jahr? In den Genuss einiger Wettkämpfe kam ich 😉

Die letzten drei Läufe des Goldbacher Wintercrosses, die 22,6km Strecke des STREETwald Cross Dirt Runs (https://tigo-running.de/5-streetwald-cross-dirt-run/) und zu guter Letzt den Frankfurter Halbmarathon (https://tigo-running.de/18-halbmarathon-frankfurt/)!

Sowie weitere Infos hier: https://tigo-running.de/statistiken-zahlen-fakten/wettkaempfe-2020/

Ich muss immer noch schmunzeln, dass ich mich erneut beim STREETwald Cross verlaufen habe und dann nur noch just for fun die Kilometer gesammelt habe – trotzdem war es lustig und ein top Training. Aber genauso in Frankfurt: gleich am Anfang in den Wald abgebogen (Kälte und meine Blase sind keine Freunde) und dann noch der fiese Gegenwind am Main unten. Zwei Komponenten die mir eine Zeit unter <1:30h vermasselt haben, aber irgendwie lustig, nicht wahr?

Doch in diesem Jahr sollten viel größere Dinge anstehen:

  1. Hochzeit (März)
  2. Geburt unserer Tochter (Juni)
  3. Berliner Halbmarathon -> aber hier, dann unter 1:30h
  4. Innsbruck Alpine Trailrun Festival (IATF) -> letzter Trail-WK vor der Geburt & die ZUT Alternative für 2020
  5. Gutenberg Marathon Mainz -> wollte mit einem Kumpel noch mal ne Runde auf dem Asphalt drehen!

Doch zu den Punkten 3-5 kam es aus bekannten Gründen nicht! Gehen wir doch noch mal auf Anfang des Jahres zurück. Denn hier passierten bereits verrückte Dinge: z.B. das ich im Januar von meinen Besten entführt wurde und einfach in einen Flieger nach Vegas gesteckt wurde! Oder aber, paar Wochen später, für einen erneuten JGA nach Bamberg gelockt wurde – ein wenig Spaß und Party muss sein 😉 Dementsprechend vorbereitet, heirateten wir dann einen Tag früher und vor dem besagten ersten Lockdown. Natürlich ohne Gäste! Mal wieder sehr speziell, aber wir sind nun Herr und Frau Golowko 🙂 Und nach einigen Monaten des Homeoffices kam auf einmal (plötzlich und zu früh) unsere wunderhübsche Tochter Valeska zur Welt! Was ein Moment! Das lässt einem echt alles um sich herum vergessen! Ein wahrer magischer Moment! Und ich bin froh, ihn miterlebt zu haben! Und: dank dauerhaften Homeoffice habe ich jeden einzelnen Tag bisher miterleben dürfen! Was ein tolles Geschenk!

War daher das Jahr 2020 schlecht? Nein, überhaupt nicht. Ganz genau das Gegenteil – es war wundervoll! Gut, ich filtere einfach die ganze schlechte Stimmungsmache komplett aus! Gehört auch nicht her!

Doch was war denn nun 2020 sportlich los? Ich kann sagen, meine Füße hatten genug zu tun! Und mein Körper ist auf einem neuen Level – des dauerhaften Schlafmangels 🙂 Wenn ich nicht grad laufen war, war ich mit meiner Frau oder später mit meiner Familie spazieren! Wir waren so viel an der frischen Luft, wie es nur möglich war. Wir machten viel virtuelles Training daheim und als ich wieder in den FT – Club durfte, wurde dort 3x wöchentlich trainiert. Und in den warmen Monaten habe ich für Besorgungen einfach das Rad genommen? Auto – Fehlanzeige! Das staubt in der Garage vor sich hin. Aber soviel kann ich schon verraten: zu diesem Thema, kommt ein eigener Artikel! 🙂

Meine Statistiken könnt ihr euch im Detail unter https://tigo-running.de/statistiken-zahlen-fakten/jahresstatistiken/ einsehen.

Letztendlich bin ich in 2020 1.468km gelaufen, war dafür 128h unterwegs, habe diese in 160 Aktivitäten abgespult und bin 27.335 Höhenmeter nach oben gekraxelt!  

Mehr als die Jahre zuvor. Also auch hier lief das Jahr nicht so verkehrt. Und seit der zweiten Jahreshälfte, hab ich auch die Spaziergänge mit Valeska mitgetrackt, kamen auch noch mal > 600km zusammen (inkl. X Höhenmetern). Daher vermute ich mal, von Beginn des Jahres auch über 1.000km nur Spazieren.

Insgesamt (lt. Garmin) bin ich im Jahr 2020 knapp 3.668km zu Fuß unterwegs gewesen. Das werden wir doch 2021 sicherlich noch toppen 😉

Aber wisst ihr was letztendlich das Beste aus sportlicher Sicht war? Ich blieb 2020 komplett unverletzt! Das ist Premiere! Jedes Jahr hatte ich immer mal paar Tage oder sogar Wochen Wehwehchen zu beklagen und bin ausgefallen. Aber in diesem Jahr fand ich die Balance. Hilfreich war es sicherlich auch, dass wenig Wettkämpfe stattfanden und ich mich auch mehr ausgeruht habe und im Training ziehe ich selten das komplette Wettkampftempo durch.

Da fällt mir noch ein kleines Erlebnis ein: einmal bin ich spontan mit einem Kumpel einen 10er gelaufen. Er wollte unbedingt unter 45, vielleicht sogar 44 min laufen. Also ging es los. Ab durch den Schönbusch. Und es fühlte sich an dem Tag gut an und ich schaute ab und an mich mal um. Stefan war noch da, hielt auch wahnsinnig gut mit und so behielten wir das Tempo bei. Am Ende kamen wir knapp unter 41 min an. Das war auch für mich Bestzeit. Ungeplant, aber irgendwie ganz geil an dem Tag! 

Und nun, was können wir von 2021 erwarten? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Solange nichts planbar ist und die Situation so ist, wie sie aktuell ist – tut man sich schwer.

Wettkampftechnisch geplant sind:

6. STREETwald Crosslauf by Jörg Oberle33.9 km94513.02.2021
Innsbruck Alpine Trailrun Festival (IATF)42 km1.30022.05.2021
10. Zugspitz Ultratrail (ZUT)64 km2.92319.06.2021

Dies sind zumindest die Wettbewerbe, bei denen ich mich bereits angemeldet habe.

Ansonsten? Habe ich sicherlich die ein oder andere verrückte Idee im Training. Ich muss ja neue Strecken, viele Höhenmeter und jede Menge Spaß finden 🙂 Der Eselsweg ist auch noch nicht ganz abgelaufen. Ich würde gerne im Training meine 10k Zeit auf unter 40min setzen und entsprechend den Halbmarathon auf <90min.

Am Ende will ich aber vor allem eins – die Zeit mit meiner Familie verbringen. Daher wird auch 2021 nicht der Sport an oberster Stelle stehen! 😉

Euer Timo

Bolsterlang – unser erster Familienurlaub

Mitte / Ende September wagten wir unseren ersten Familienurlaub. In der aktuellen Situation, ist dies natürlich etwas speziell, aber wir versuchten es! Prämisse ist natürlich, dem Schutz der Familie! Und wenn die Gefahr zu groß gewesen wäre, hätten wir einfach abgesagt. Aber in einem kleinen verschlafenen Ort im Allgäu ist man vermutlich sicherer, als mitten im Rhein-Main Gebiet 🙂

Am 20.09.2020 ging es los. Das Auto war bis oben hin vollgepackt und wir hatten Glück in eine Ferienwohnung mit Babyausstattung zu fahren. Sprich: keinen Kinderwagen & Kinderbett usw. mitschleppen. Das wäre auch gar nicht realistisch gewesen 🙂

Für die Woche war zudem die Wetterprognose sehr wechselhaft, aber wir stellten uns diesem Abenteuer! Es fing ja bereits bei der Fahrt mit der kleinen Maus an! 😉

Letztendlich kamen wir an – da wir uns ja auch keinen Streß und kein Zeitlimit setzten – an und konnten unsere tolle Ferienwohnung beziehen und ankommen. Nach der langen Fahrt, musste auch zuerst ein Spaziergang her und wir erkundeten Bolsterlang.

Am nächsten Tag ging es mit der Hörnerbahn zum Bolsterlanger Horn hoch. Valeska´s erste Wanderung. Sie in der Trage bei Mama und Papa schiebt den Kinderwagen. War echt anstrengend 😀 Am Ende stellten wir fest, den Kinderwagen hätten wir gar nicht benötigt 🙂 Super!

Auch die anderen Tage hatten wir Glück. Geregnet hat es oft nur in der Nacht und wir konnten tagsüber unsere Touren machen. Bei jeder Wanderung war die Kleine super tapfer und genoss die frische Bergluft und die neuen Farben und Dinge die sie mit ihren großen Augen entdecken konnte!

Aber ich war natürlich auch ab und an mal ne kleine Runde laufen! (P.S.: Danke Schatz :-*)

An einem Tag konnte ich die Füße einfach nicht still halten – der erste Schnee!!! Ich bestellte das Abendessen und sagte meiner Frau: geh nur mal kurz hoch zum Sonderdorfer Kreuz und wieder runter – schnell duschen und Essen abholen.

Tja … zu dieser Jahreszeit, bzw. eine Woche vorher, war bereits der Almabtrieb. Ein paar vereinzelte Rinder verweilten noch auf halber Höhe, aber auf dieser Strecke sollte mir nichts mehr begegnen. Die Strecke kannte ich inzwischen gut, da ich sie bereits vor ein paar Tagen hoch gelaufen, sowie, mit meiner Familie gewandert bin. Nach dem ersten Anstieg, standen auf einmal verdammt viele Rinder direkt vor mir. Ohne Zaun. Okaaaayyy .. wo kommen die denn her? Ich überlegte umzudrehen, aber dachte mir .. ich gehe langsam vorbei, bis zum Drehkreuz und danach weiter. Funktionierte. Gut. Weiter die gewohnte Route. Umso höher es ging, umso weißer. Natürlich auf der Höhe, die mich erwartete, war nur eine leichte Schneedecke. Weiter oben, war alles komplett weiß, aber so weit sollte es mich heute nicht bringen.

Machte echt Spaß noch einmal kurz hier eine Runde zu drehen. Ich gelang ans Gipfelkreuz und baute wie versprochen, einen kleinen Schneemann für meine Valeska. Diesen wollte ich ihr dann auf dem Foto zeigen.

Bis dahin, war auch meine Laune noch super. Ich schrieb meiner Frau, dass ich auf dem Rückweg bin. MOMENT! Was ist denn hier los? Plötzlich steht ein Ochse da. Zum Glück ist das Gipfelkreuz eingezäunt und ich weiß nun auch wieso! Und die ganze Herde kam dem Anführer hinterher. 15-20 Rinder standen auf einmal um mich herum und starrten mich an. Leichte Panik kam in mir hoch. Wie verhält man sich, was tut man nun? Und es ist frisch, wenn man eben nicht in Bewegung ist. Ich schrieb meiner Frau und meinte, wird etwas später. Ich versuchte die Methode, mich vor dem Ochsen aufzubäumen, aber das tangierte ihn gleich null. Dann versuchte ich mich hinter das Gipfelkreuz zu verstecken, um aus dem Fokus herauszukommen. Half auch nichts. Was mich nicht gerade entspannen lies, dass an einer Stelle kein Zaun ist, aber anscheinend kommen die da die Kühe nicht durch. Hoffentlich. Um der Kälte vorzubeugen, machte ich ein paar Jumping Jacks und Kniebeugen. Und es passierte immer noch nichts. Ich warf einen Blick ins Internet und da stand, dass Signalfarben richtig uncool sind. Ich schaute runter und hatte an dem Tag eine neongelbe Shorts an. Toll. Welcher Hersteller für Mountain Equipment macht bitte schön solch grelle Farben, wenn doch bekannt ist, wie die Tierwelt darauf abgeht? 😀 Also weiter warten.

Nach ca. 20 min wandte die Herde langsam von mir ab, aber blieb paar Meter weiter stehen. Toll. Ich muss DAS ESSEN ABHOLEN!!! Also, bitte schwingt Euren Kuh-Hintern auf die Weide und ich laufe langsam dran vorbei. Es waren vielleicht 400 Meter bis zum nächsten Drehkreuz! Und langsam zogen sie von dannen. Puh! Ich wartete kurz und legte meinen Turbo ein.

Vollgas ins Tal! STOPP! Waren unten nicht auch Kühe? Also lief ich rechts herum (und hier war es total rutschig – super), aber keine Tiere mehr zu sehen und vielleicht einen Umweg von 1000 Metern. Ich rannte und rannte und war einfach nur noch froh, in der Ferienwohnung angekommen zu sein! Dort musste ich mich aber sputen. Also schnell unter die Dusche und zum Restaurant laufen und die leckeren Schnitzel abholen!

Das sind kleine Abenteuer, die passieren daheim oder in einer Stadt nicht! 🙂 Aber die bräuchte ich jetzt auch nicht ständig 🙂

Der Eselsweg

Was habe ich nun am Sonntag gemacht?

Vor 3 Wochen hat mir meine Frau Julia gesagt, laufe doch mal eine Etappe des Eselsweg – der Eselsweg ist ein 111 km langer Fernwanderweg durch den Spessart. 

Bis dahin war mir dieser gar nicht bekannt. Und ich meinte, ja ok. Hab mich aber nicht weiter mit beschäftigt.

Dann hat sie mir den Floh noch mal ins Ohr gesetzt und ich habe mir den Weg doch einmal genauer angeschaut. Da ich letzte Woche Bereitschaft hatte, konnte ich frühestens erst ab Freitag, den 17.04.2020 den Lauf starten. 

Doch welche Etappe überhaupt? Von wo bis wohin? Lustigerweise hat dann auch meine Bekannte Anita die Woche vorher gepostet, sie ist knapp 60km des Eselswegs gelaufen! Und ich habe mir die Route genauer angeschaut und sah definitiv nicht schlecht aus. Aber 60 km wäre doch zu viel des Guten. Für jetzt 🙂

Bin dieses Jahr max. 25-26 km gelaufen und auch wenn ich mich im Moment top fit fühle, muss man nicht gleich Vollgas geben. Also plante ich eine Marathon Strecke – das, was mich sowieso am 02.05. in Innsbruck an meinem Geburtstag erwartet HÄTTE. Nun ist der Lauf logischer- und sinnvollerweise verschoben worden und erwartet alle Teilnehmer*innen hoffentlich Mitte September dann im Herzen Innsbrucks. 

Zurück zum Lauf … ein bißchen recherchiert und am Ende nach mehreren unterschiedlichen Startpunkten, entschied ich

mich für die Kreuzkapelle in Wiesen (kleine Gemeinde in Bayern) und von dort aus 30 km auf dem Eselsweg und dann den Eselsweg verlassen und direkt nach Schweinheim heim. Zum Glück hat mich meine Frau nach Wiesen gefahren und die Strecke mit dem Auto zog sich schon. Puh, und das soll ich alles laufen? 😉  Hilfe!!! Sie hat mich dann an einem Parkplatz 1-2 km vor der Kreuzkapelle herausgelassen. Direkt an einem “E” 🙂 Der Eselsweg ist mit einem schwarzen E auf weißem Hintergrund markiert.

Und ich habe festgestellt, bis auf 3-4 Knackpunkte, ist der Weg richtig gut ausgeschildert. Gefühlt alle 50 Meter war eine Markierung und so konnte man sich vollständig auf sich und das Laufen konzentrieren. Besser, als bei manchem Wettkampf 🙂

Von weichen Waldwegen, Kieselwegen über kleine schmale Singletrails und vielen Down- und Uphills – manche auch 

recht technisch – daher alles dabei was das Trailherz so begehrt. Und natürlich die tolle Natur die mich den ganzen Weg begleitet hat, hier lass ich jedoch dann 1-2 Fotos für mich sprechen. 

Doch wie fühlte ich mich bei dem Lauf? Zu Beginn war es stark bewölkt und sehr frisch, doch nach kurzer Zeit 

wurde es mir sehr sehr warm 🙂 Als Verpflegung hatte ich 2×0,5l Flasks mit Wasser dabei, zwei Riegel und etwas 

Traubenzucker für den Notfall. Mein Plan war, dass das Wirtshaus am Engländer offen hat – Fehlanzeige 🙂

Die ersten 25 km liefen auch gut und dann merkte ich meine Oberschenkel. Ok, und die fehlende Kondition 🙂 Wäre aber auch seltsam, wenn ich das locker wegstecken würde. Eine Belastung > 2h waren meine Knochen, Muskeln und Sehnen nicht gewohnt und das merkte ich. Es wurde auch immer wärmer, die Sonne kam raus und ich merkte, dass ich mit dem Wasser geschickter umgehen sollte. Die Hälfte meines ersten Riegels brach dann auch noch ab und fiel in den staubigen Boden. Super 😀 Läuft. Daher Energiezufuhr wurde nur minimal zugeführt. Was nicht da ist … 😀

Als ich die A3 überquerte und langsam den Eselsweg verlassen hatte, habe ich irgendwie eine Abbiegung falsch genommen. 

Ich hab mich ja bereits 3-4x etwas verfranzt und bin dann gegangen um den Weg zu suchen und habe dieses nicht mitgetrackt. 

Am Ende hatte ich 2,5 km mehr auf dem Schrittzähler meiner Uhr, als meine Route die ich für den Lauf getrackt hatte. 

Jedenfalls war der Plan, quer durch den Wald und nicht durch die Dörfer zu laufen. Doch eine Kuhherde blockierte meinen 

Weg oberhalb und ich musste bei km32 runter auf die Straße, mit einigen Umwegen und naja … lief dann an der 

Landstraße St2312 entlang … bei jedem Auto / Motorrad musste ich auf den maximal 50cm breiten Grünstreifen springen 😀 Dafür konnte ich in einer ordentlichen Pace runterballern. So schlapp man sich nach mehreren Stunden fühlt, aber zum Ende hin Gas geben, geht komischerweise immer. Also sind der Muskelkater und die Schmerzen in den Beinen doch nur (großteils) Kopfsache :p Nach knapp 2 km auf der Straße kam ich endlich nach Oberbessenbach und konnte auf dem Gehweg laufen. Und merkte, sind immer noch knapp 8 km. Die Sonne brannte und ich hatte einfach kein Wasser mehr und hatte es bitter notwendig. 

Aber hatte auch keine Quelle, wo ich das Wasser herbekam.  Also weiter nach Bessenbach und bis Grünmorsbach. Doch dann gab ich mich geschlagen. Ich rief Julia an, sie soll bitte viel Wasser mitbringen und mich einsammeln. Ich bin dann noch bis zur Kirche und habe die 40 km abgeschlossen. Jedoch waren meine Beine so schwer und ich hatte auch leichte Magenprobleme, dass es keinen Sinn gemacht hätte – auf Biegen und Brechen – heimzu”wandern” und die 2,195 km bis zum Marathon durch zuziehen. Daher lieber die Notbremse gezogen. 

Wie oben erwähnt, hatte ich durch die Geh- und Suchpausen, am Ende 42.8 km auf meinem Schrittzähler, zumindest in den Beinen steckt der Marathon! 🙂

Und nun hießt es erstmal trinken und trinken und trinken. Hatte gar kein Hunger, einfach Durst. Viel Wasser, ein alkoholfreies Weizen, ein Mineraldrink, ein Eis und einfach in der Sonne auf dem Balkon liegen. Herrlich.

Als kleine Nachanalyse: ich hätte einfach über die Straße St2312 / Würzburger Str. auf die anderen Seite in den Wald laufen müssen. Dann wäre ich auf meiner geplanten Route gewesen. Das heißt, weitere Höhenmeter im Wald und mehr Schatten.

Vielleicht ganz gut so, wie es dann gelaufen ist. Im Wald hätte mich Julia nicht so einfach einsammeln können. 

Auf alle Fälle war es ein toller Lauf. Ich weiß, wo ich nun ansetzen muss. Aber die nächste längere Geschichte, dann 

erst nach meinem Geburtstag 🙂 

Fotos: privat! 

5. STREETwald Cross Dirt Run

Alle Jahre wieder – das ist nun mein 5. Jahr beim STREETwald Cross und meine fünfte Teilnahme. Ich habe mir fest vorgenommen, dieses Jahr mich nicht zu verlaufen und (wie immer) Vollgas zu geben.

Doch dank Altweiberfasching und dem Burn-Training am Tag zuvor im FT-Club Aschaffenburg war ich nicht so spritzig wie ich dachte 🙂 Aber das alles sollen ja keine Ausreden sein :p Ich habe die Prioritäten eben so gesetzt, dann muss mit den Konsequenzen auch gelebt werden. Und ich dachte, ich komme den ganzen Erkältungs-/Grippen-Viren davon, aber irgendwas schlummerte …

Doch es zwickte dann auch etwas in der Magen-Darm Gegend – ich hatte mal ein basisches Pulver VOR dem Lauf zu mir genommen, anstelle zur Regeneration danach! Ein Fehler? Ich habe mit meinem Säure-Basen-Haushalt eh so meine Probleme und Reflux und wenn ein Baustein vorm Lauf nicht passt, merke ich das enorm.

Doch zurück zum Lauf. Dank des Orkans “Sabine” zwei Wochen zuvor wurde die Strecke auch abgeändert. Sicherheit geht wie immer vor und bei der Streckenbegehung vor Kurzem hat man das ein oder andere schon erahnen können. Daher waren es nun zwei identische Runden zu laufen, da kann ja hier schon einmal nichts mehr schief gehen … 😉

Die ersten 7-8 km fühlten sich gar nicht gut an, ich war zwar nicht langsam, aber konnte auch nicht alles geben. Die Beine fühlten sich schwer an. Die Mini-Führungsgruppe zog an mir vorbei und setzte sich etwas ab. Daher mein Bruder Kai und die restlichen Läufer vor mir waren zwar meistens noch in Sichtweite, ich schätze so 400 Meter trennten uns. Daher alles im Griff, nur nicht mitreißen lassen, aber auch nicht den Anschluss verlieren. Doch meine Stärken werde ich schon noch ausspielen.

Zwischendurch merkte ich auch … oh oh ich laufe mir mal wieder ne Blase! Das ist mir in den Schuhen und den Socken noch nie passiert! Da hab ich wohl irgendwas falsch gebunden … verdammt … aber anhalten ist auch nicht 🙂

Nach 10,4km ist fast die erste Runde geschafft. Ich habe nicht viel nachgedacht und habe für den Fotograf posiert und gequatscht und statt rechts abzubiegen, lief ich (aus welchem Grund auch immer) gerade aus und habe knapp einen Kilometer ausgelassen. Was nun? Bei der nächsten Verpflegungsstation kam die Gewissheit, ich bin an erster Stelle durch mein Mißgeschick. Ich wollte danach mich disqualifizieren lassen bzw. je nach dem was der Veranstalter sagt, gerne auch plus x Minuten Strafzeit. Daher lief ich weiter und genoss es als Longrun für mein aktuelles Training. Doch wenn niemand vor und hinter einem ist, fehlt auch absolut der Wettkampfgedanke. Ich brauch das einfach, mich an die Fersen des Vordermanns /-frau zu hängen. Und so lief ich und lief ich und machte auch die ein oder andere Pause – da ich ja diesen Drang nicht spürte. Doch irgendwann kam der Wettkampfgedanke zurück und ich dachte mir, ich lauf am Ende einfach die Schlussschleife zweimal – dann hab ich meinen Fehler wieder ausgemerzt und alles ist wieder im grünen Bereich! Abkürzen (auch wenn unbeabsichtigt) ist nicht meins – das lässt der olympische Gedanke nicht zu 😉 Doch in der zweiten Runde ständig zu Grübeln war auch nicht gut. An vielen Stellen ging ich hoch, anstatt zu Laufen oder ließ mir eben etwas mehr Zeit. Egal, am Ende machte dies vielleicht 2-3 Minuten aus.

Es war schon komisch, nach 23km am Ziel vorbeizurennen, um noch einmal diese Schleife zu drehen. Doch dann endlich – Zielspurt … noch wenige Meter und ich bin im Ziel.

Meine Uhr zeigte mir 23,8km mit 2:00:08h an – ok es gibt definitiv schlimmeres, als 24km mit 600HM in 2h zu laufen 🙂 Es war  mein erster Longrun 2020 – leider blieb somit das lustige Brüderduell erneut aus, aber Spaß hatten wir alle trotzdem und das ist – wie bereits erwähnt – die Hauptsache. Und ich bin froh, aktuell der Grippewelle zu entkommen (auch wenn irgendwas seit Tagen bei mir schlummert) und nicht wie bisher die Jahre zuvor mit Verletzungen und Wehwechen herumzukämpfen!

Am Ende bei den Gesprächen mit der Streckenverwaltung und den anderen Teilnehmer war ich wohl nicht der Einzige, der gerade aus lief nach Runde eins … 😉

Ich war heute nicht topfit, andere waren definitiv stärker und verdient vor mir! Solche Tage gibt es! 🙂

Aber ich konnte mit gutem Gewissen wenigstens mir danach den leckeren Kuchen schmecken lassen 🙂 Wie immer eine super tolle Veranstaltung und ich werde weiter mit meinem geplanten Training machen. Innsbruck läuft sich ja nicht von alleine 🙂 Und wenn ich jetzt gut ins Training komme, sind die 4h für den K42 absolut realistisch 🙂

Weitere Erkenntnis: Core-Training und Alternativtraining zahlen sich aus, Beine waren fast bei 100% am nächsten Tag! Nur die Blutblase an meinem Problemzeh zwickte ein wenig, aber den Druck hab ich auch “abgelassen” 🙂

Danke an alle Helfer*innen!

In diesem Sinne – sportliche Grüße Euer Timo

Fotos von https://it-foto-janek.de/ und Main-Echo

Warum ich immer in kurz laufe

Diese Frage bekomme ich oft gestellt. Bzw. die Anmerkungen – “du bist doch bekloppt” … “du bist doch verrückt” … “was stimmt nicht mit dir” (gut, das hab ich mich selber schon oft gefragt :p

Fakt ist:
1. Ich mag lange Lauftights nicht
2. Ich mag generell keine Tights – und bitte nicht lange Tights und dann ne kurze Laufhose drüber -> warum??
3. Ich bewege mich ja die ganze Zeit – da wird mir doch warm
4. Hatte ich schon die Optik von langen Lauftights erwähnt?
5. Mir ist wirklich nicht kalt
6. Frauen stehen die Tights echt gut 🙂 Mir definitiv nicht 🙂

Es ist ja nicht so, das ich wirklich NIE in langen Hosen gelaufen bin. Eine zeitlang, vor 3-4 Jahren hab ich ca. 2-3x pro Wintersaison auch eine lange Tight angehabt. Aber so richtig glücklich wurde ich damit nie. Die Übergangsphase hatte ich überbrückt mit langen Kompressionssocken. Gehen ja fast bis zu den Knien und halten ja auch warm. Dann war praktisch nur noch das Knie und ein Teil des Oberschenkels frei. Aber inzwischen – natürlich ist es hier im Rhein-Main Gebiet auch nicht soooo kalt, wie in anderen Regionen – laufe ich immer kurz an den Beinen!

Egal ob es windig ist, regnet, schneit oder auch sonnig. Ich laufe in kurzen Hosen.
Von -10 Grad bis +35 Grad war auch eine große Spanne dabei. Vor zwei Jahren in Hamburg war es einmal so eisig (inkl. Wind), das war definitiv grenzwertig, aber solange ich mich bewegte und die Ampeln auch grün waren und mich so nicht lange haben stehen lassen – war alles cool – im wahrsten Sinne des Wortes.
Aber auch auf den Bergen, meistens sogar beim Wandern – trag ich kurze Hosen. Obenrum sieht es anders aus, aber “unnerum” (wie man hier so schön sagt) muss und darf die Haut atmen 🙂

Bei kurzen schnellen Läufen ist es ja eh egal, da gibt man Gas, Beine und Muskeln sind schnell warm und schwups passt es.
Bei langen Läufen, sollte man schon dauerhaft in Bewegung bleiben, damit einfach die Muskeln warm bleiben.

Bei lang anhaltenden Regen ist es schon “unangenehmer”. Hatte das im Kleinwalsertal. Waren 7h im Dauerregen auf einem Bergtrail und es gab Stellen da wurde mir richtig richtig frisch. Da der kalte Regen die Beine und Muskeln runtergekühlt hat und wenn dazu noch etwas Wind hinzukam … aber funktionierte auch – und das ohne Erkältung im Nachgang 🙂 Andererseits wäre eine lange Tight irgendwann so mit Wasser vollgesogen, dass es eher das Gegenteil bewirkt hätte. Und die Regenhose lag im Hotel 😀

Im Pitztal – meinem ersten Ultra – war ich auch verschiedenen Temperaturen und Witterungen ausgesetzt. Aber auch die 8,5h am Stück funktionierten prima in kurzen Hosen.

Ein aktuelles Beispiel aus 2020 – Oberammergau, kurz vor dem Orkan “Sabine”. Ich bin auf eine unbekannte Strecke auf den “Kofel” hoch – in 1.342 Meter Höhe. Der Hinweg war bei 4 Grad plus in der Sonne angenehm, auf den schattigen Seiten ging es. Den Rückweg habe ich über die Rückseite ins Tal gemacht und hatte teilweise 80cm hohe Schneefelder und keinen festen Stand. Und wenn die Beine im tiefen Schnee runterkühlen, ist es nicht grad wirklich mollig warm 🙂 Daher war ich froh, dass ich nach 30 min aus den Schneefeldern rauskam und die Beine Vollgas ins Tal wieder wärmen konnte. Aber eine heiße Dusche im Anschluss war unersetzlich 🙂

Ob es immer “gesund” ist – sei mal dahingestellt. Das es oft “angenehmer” für das Wohlbefinden wäre, eine lange Hose zu tragen – klar. Aber ich will auch meine Leistung bringen, ich will meine Beine arbeiten sehen und will sie nicht irgendwo reinzwängen wo sie sich nicht wohlfühlen 🙂

Es ist Geschmackssache – bei eisigem Wind definitiv kalt, aber wer´s mag 🙂

Jump jump jump

Goldbacher Wintercrossserie 2019/2020

Alljährlich – von November bis Januar findet die Wintercross Serie in Goldbach statt. Insgesamt neun Läufe, quer durch den Wald, mit immer unterschiedlichen Witterungsbedingungen! 10km auf denen 200 Höhenmeter verteilt sind und über 600 Gleichgesinnten an meiner Seite!

Sonntag früh im Winter. Um 8 Uhr klingelt der Wecker. Aufstehen! Laufsachen zusammen-suchen. 1-2 Honigtoasts essen, anziehen und dem erstem Blick aus dem Fenster. Oft war es nass dieses Jahr. Schnee – leider Fehlanzeige. Kalt war es dafür (fast) immer.

Trotzdem – die kurze Hose hatte ich an, egal ob bei Wind, Kälte oder Regen. Nach dem kleinen Frühstück, gehts ins Auto. 9 Uhr Ankunft und die 300 Meter bis zum Startbereich warmlaufen. Bekannte Gesichter grüßen, danach erneut ein paar Meter warmlaufen, fertig machen, Schuhe noch einmal binden und ab in den Startblock. 9:30 Uhr los gehts. Der Countdown wird heruntergezählt.

Je nach Sonntag fanden sich immer 550-700 Läufer*innen und Läufer an der Startlinie. Woche für Woche die selbe Strecke, die selben Gesichter und das selbe Ziel: Spaß haben 🙂

Die Strecke hat es in sich. Nach der kurzen Start- und späteren Zielgerade geht es direkt in den Wald und zum ersten (stetigen) Anstieg. Danach kurz verschnaufen, bevor es in die Bessenbacher Schleife geht. Ab jetzt wird es bereits technischer, enger und vor allem matschiger. Wieder raus und der nächste Anstieg. Nun kann endlich für ein paar hundert Meter verschnauft werden. Jetzt kommen einen bereits jede Menge Läufer*innen (die diese Schleife noch vor sich haben) entgegen – man feuert sich gegenseitig an, grüßt sich (falls man sich nicht bereits vorher gesehen hat) und gibt weiter Vollgas. Die ersten 2 km sind geschafft 🙂

Nach 1-2 Rennen ist auch klar, wer die direkte Konkurrenz ist. Man hat um sich herum so gut wie immer die selben 10-15 Personen, die einem am Ende die Plätze streitig machen können 🙂 Daher kann man sich vom Tempo auch immer gut dort einpendeln, bzw. sieht auch von Woche zu Woche wer sich steigert oder eben auch schwächelt 🙂

Bei Kilometer 3 wird es dann immer richtig rutschig. Erst ein knackiger kurzer Anstieg, dann ab in den Matsch (dieses Jahr knöcheltief) und einen kleinen (ebenfalls rutschigen) Hang hinunter, bevor die nächste Passage bewältigt wird. Bei Kilometer 5 kommt man auf einen normalen Waldweg, gerade und erneut zum Verschnaufen. Der nächste Anstieg, mit Schleife und anschließendem Downhill wartet vor uns. Von Kilometer 6- 8 kann richtig Gas gegeben werden, da es hier hauptsächlich abschüssig ist und man mal so richtig die Socken qualmen lassen kann. Hier sieht man auch sofort, wer sich Downhill mehr traut …

Hier kann ich etliche Plätze gut machen bzw. mir einen kleinen Vorsprung für den letzten entscheidenden Abschnitt holen!

Der berüchtigte Kilometer 8. Hier geht es fast einen ganzen Kilometer bergauf. Hier versuche ich immer in einem gleichmäßigen Tempo zu laufen! Die Geschwindigkeit ist fordernd, die Muskeln der Oberschenkel brennen, aber ich werde mir nicht komplett den Stecker ziehen aber mich auch nicht zum Gehen zwingen. Oben angekommen, heißt es kurz Luft holen und für die Zielgerade positionieren. Es geht noch mal kurz runter und wieder rauf, bevor wir in die Schlußgerade kommen .. die bereits vor neun Kilometer gelaufen wurde …

Schlußspurt. Die letzten 1000m steigere ich kontinuierlich das Tempo. Dann fokussiere ich die Konkurrenz an und bündele die Kraft auf den letzten Metern! Schließlich können hier noch ein, zwei oder gar drei Plätze gut machen!

Das Ritual ist immer gleich. 500m vorher, Startnummer nach vorne drehen, Ziel anvisieren und beschleunigen. So lautlos es geht 🙂 Oft hänge ich mich direkt an die Person, und bevor diese realisiert was los ist, bin ich bereits mit meinem höheren gleichmäßigen Tempo vorbei! Bis diese dann versuchen mit den letzten Kraftreserven zu beschleunigen und entgegenzuwirken, habe ich die entscheidende Meter gewonnen und die Ziellinie überquert! 🙂

Das Ziel! Links ab in den Zielkanal, kurz Luft holen. Konkurrenz abklatschen und ab zum Stand mit dem heißen süßen Tee. Es gibt nix besseres, als den Tee danach im Ziel! Kurze Gespräche und ab nach Hause unter die heiße Dusche! 🙂 Und gemütlich Frühstücken!

FAZIT: Irgendwie ist man froh sobald die Serie vorbei ist, aber gleichzeitig findet man dies auch wieder schade. Ich bin seit 2015/16 dabei. Im Jahr 2016/17 lief es jedoch erst für mich – endlich unter 50 min. Und von Jahr zu Jahr steigerte ich mich. Außer in der aktuellen Saison… 2-3kg mehr auf den Rippen, Topspeed fehlte, aber trotzdem so ganz unglücklich bin ich nicht 🙂 Es reichte für Platz 6 meiner AK – und somit erhalte ich einen Pokal 🙂 Das dritte Jahr in Folge! Außerdem ist es das erste Jahr, bei dem ich in allen 8 Läufen dabei war! Alleine das ist, aus gesundheitlicher Sicht, ein Erfolg!

Ich muss aber auch sagen, die 45 Personen vor mir, stehen nicht umsonst vor mir. Alles Topläufer, aus diversen Vereinen aus dem Rhein-Main Gebiet. Und in meiner AK startet natürlich auch der Seriensieger 🙂 Und er ist richtig richtig schnell 🙂 Glückwunsch Solomon zum Gesamtsieg!

Für mehr Informationen: www.wintercross.de

JahrAKPlatz AKPlatz gesamtTOP5 ZeitenTOP Zeit
2015/2016LM302430104:28:4700:52:23
2016/2017LM35138203:56:3500:46:25
2017/2018LM3564803:42:5200:43:18
2018/2019LM3543303:32:5400:42:05
2019/2020LM3564603:36:0300:42:44

Wie habe ich für meinen ersten Ultra trainiert?

Rückblick – am 03.08.2019 bin ich meinen ersten Ultratrail gelaufen. Im wunderschönen Pitztal in Österreich.
Es war noch ein “Kleiner” 🙂 Aber mit 46km und > 2200 HM für mich schon recht ordentlich. Gerade die Höhenmeter waren am Ende “härter” als gedacht.
Doch wie bin ich da hin gekommen? 

Wenn man die nackten Zahlen sich anschaut, habe ich mich mehr oder weniger gut darauf vorbereitet:

MonatDistanz
(in km)
Anzahl LäufeAnzahl WettkämpfeDurchschnitt
(in km / Lauf)
Januar60,5728,64
Februar71,9808,56
März48,03116,00
April41,1706,87
Mai64,51115,86
Juni151,315010,09
Juli189,014313,50

Doch wie lief es wirklich?
Nach dem letzten Wintercross Lauf am 13.01. bin ich in ein kleines Loch gefallen. War nicht wirklich fit.
Es zwickte hier, es zwickte da und richtig Kilometer fressen konnte ich nicht.

Als kleiner Meilenstein kann ich festhalten, dass ich dann am 02.03. aus dem Stand heraus, den STREETwald Cross gelaufen bin. Schöner kleiner familiärer Trailrun hier in Aschaffenburg. Eigentlich ein Lauf mit 22,6km und 630HM, am Ende waren es jedoch 25,3km mit ein paar Höhenmetern mehr. Warum? Weil ich falsch abgebogen bin 🙂

Fehlende Regeneration merkte mir man an, als ich einen Tag später noch mal einen lockeren Lauf mit meinem Bruder mit 7,5km machte und danach direkt Fasching/Karneval feierte. Waren dann den ganzen Tag auf den Beinen, dazu etwas Alkohol und ja … wie es halt so ist 🙂
Eine Woche später lief ich in Ulm an der Donau entlang und merkte immer mehr das Ziehen im linken Fuß .. nach 15km brach ich meinen Lauf ab und das war es dann auch erstmal für längere Zeit.
Ich bin dann fast einen kompletten Monat (08.03. – 02.04.) gar nicht mehr gelaufen. Am 02.04. brach ich auch direkt nach 500m wieder ab, da die Schmerzen direkt wieder auftauchten. Und Anfang Juni sollte der ZUT mit 64,8km stattfinden. Es wird eng!

Und zwischendurch musste ich ja noch einen kompletten Umzug bewältigen, denn ab dem 01.04. ging es in die neue Wohnung. Was das im Detail hieß?

  • Trainieren
  • alte Sachen ausmisten
  • neue Sachen (Möbel, Farbe usw.) besorgen
  • planen & organisieren
  • wenig Schlaf
  • Wertstoffhof (mehrmals)
  • neue Wohnung streichen und vorbereiten
  • Möbel abbauen und Kisten packen (alte Wohnung)
  • Umzug
  • Möbel aufbauen und Kisten wieder auspacken (neue Wohnung)
  • alte Wohnung streichen
  • zwischendurch noch die Fernbeziehung -> daher zwischen Aschaffenburg und Ulm pendeln

Zumindest war Wandern & Spazieren drin. Sonst wäre ich noch völlig durchgedreht. Es ging in den Urlaub auf Madeira und dieser sollte eigentlich ein Aktivurlaub werden. Doch primär natürlich die Sonne und Landschaft sowie die Zeit mit der Liebsten genießen und am Ende den Kopf frei bekommen. Doch beim Wandern merkte ich, dass der Fuß sich gut anfühlt und bauten zwischen jede Wanderung den ein oder anderen Kilometer mit Laufen ein. Traumhafte Trails gibt es dort genug. Und dieser Urlaub lies mich wieder soviel Kraft und Zuversicht tanken, dass es wortwörtlich wieder bergauf ging! 😉

Mein Comeback gab ich dann am 11. Mai und schwups … es lief! Da ich es nicht lassen konnte, bin ich gleich die Woche drauf einen Wettkampf, den Aschaffenburger CityRun, gelaufen und lief die 8km in einer 4:13er Pace. Also alles war nicht weg 😀

Ab jetzt fing ich wieder das regelmäßigere Laufen an. Zwar immer noch nicht so ausgiebig wie geplant, aber wie heißt es schön: mühsam nährt sich das Eichhörnchen 😀
Mal ein 10km Trail hier, mal 21km dort, mal 17,5km zwischendrin … und ich musste realisieren und die schwere Entscheidung fällen, meinen Zugspitz Ultratrail, die geplanten 64km platzen zu lassen. Mein erster Ultratrail – mein großes Jahresziel geplatzt … daran knabberte ich ein paar Tage enorm. Aber dies war die einzig richtige Entscheidung. Und letztendlich ist es kein Weltuntergang, aber eine Alternative musste her.
Daher hängten wir Ende Juli an die Walser Trailchallenge noch einen weiteren Aufenthalt nach und es ging ins Pitztal. Der PAGT – Pitztal Alpine Glacier Trail. Dieser war am 03.08.2019 – mit 46km und den über 2.200 Höhenmetern – dann meine erste Ultraerfahrung und der Ersatz für den ZUT!

Doch bis dahin musste ich weiter trainieren. Ich kam auf die Idee und machte verrückte Experimente. Frühs zur Arbeit und in der Nachmittags Hitze (38 Grad!!!) wieder die 10km zurück zu laufen. Bei jedem Kilometer merkte ich, wie mein Körper immer weiter abbaute und ich immer langsamer wurde. Dann steigerte ich wieder die Umfänge und wollte Höhenmeter sammeln. Was im Spessart doch schwieriger ist, als ich dachte.
Ich wagte 23km in der Haibacher Schweiz mit knapp 700HM und den Triple Wintercross in Goldbach mit 27km und 560HM. Gut fühlte sich das nicht an, aber ich immerhin blieb am regelmäßigen Training dran. Und lief länger und “höher”. Aber schon bitter, wenn am Ende keine 1000 HM zusammenkommen, aber es sich anfühlte wie weiß Gott wie viele 😀

Ich konnte so im Juni und Juli knapp 300 km trainieren und der Körper machte alle verrückten Dinge mit und dann kam die Woche der Wahrheit – die Fahrt nach Österreich.
Samstags (27.07.) direkt der Start mit 16km durch das Kleinwalsertal mit 880 HM. Dies war ein Riesenspaß. Ich lief mit Julia, wir genossen das Wetter und die Strecke und liefen gemütlich.
Dann gab es Gewitter und Wolkenbrüche und der nächste Tag war schon innerlich für uns abgehakt. Doch wir gingen an den Start und Sonntags warteten dann 30km mit 1680 HM auf uns.
Julia lief noch nie so weit und es regnete 85% der Zeit. Das war mal ein richtiger “Dreckslauf”. Eine Grenzerfahrung für uns. Mehr dazu im Artikel -> Walser Trailchallenge

Und eine Woche später mein ZUT-Ersatz – am 03.08. – der Pitztal Alpine -> hier der ausführlicher Bericht.

Fazit: Oft läuft es nicht so wie geplant. Aber es ist immer wichtig auf die innere Stimme zu hören! Mit Vernunft in Kombination mit dem absoluten Willen es zu schaffen, sind solche Herausforderungen möglich. Daher wenn der Körper sagt: “Gönn dir eine Pause” – dann hört auf euren Körper. Und wenn er aber sagt: “Heute ist der Tag, wir starten eine verrückte Aktion” – dann kann auch mal die Vernunft zu Hause bleiben 😀