Nachhaltigkeit im Sport & Freizeit

Die Zusammenhänge sind eigentlich lustig, aber auch simpel. Laufen ist eine natürliche Sache. Wir wollen uns an der frischen Luft bewegen, in der freien Natur, doch gleichzeitig machen wir sie mit unserem Konsum und unserem Verhalten kaputt. Ein Teufelskreis, nicht wahr?

Doch wieso sind wir Menschen einerseits so egoistisch (I-C-H will alles haben, M-I-R egal was “dahinter steckt”) und gehen mit den natürlichen Ressourcen zum Teil sehr erschreckend um?
Gewissermaßen informieren wir uns nicht genug über die Dinge, die wir konsumieren. Die Menschheit ist in vielen Bereichen “faul” geworden. Und wir glauben doch den Marketingexperten der Unternehmen recht viel. Zu viel! Und hinterfragen es nicht. Ach, wenn so ein großer Konzern sagt, dass ist gut, dann wird es schon stimmen.

Natürlich ist zum einen unsere Konsumgeilheit daran schuld. Alles muss immer günstiger sein und am besten sofort verfügbar. Dabei ist es uns völlig egal, von wo es kommt, Hauptsache es ist schnell da.
Das wir uns dabei nicht fragen, woher es tatsächlich kommt, wie es hergestellt wurde, unter welchen Bedingungen und wie es bis zu unserer Haustür transportiert wurde? Erstaunlich, nicht wahr?
Wir haben auch eine große Wegwerfgesellschaft entwickelt. Viele Produkte sind so günstig, dass wir sie lieber wegwerfen und uns direkt Ersatz besorgen. Wir machen uns gar keine Gedanken mehr darüber, ob es reparabel ist. Oder alternativ, dass wir es für andere Zwecke noch weiterverwenden können.
Um es gleich vorneweg zu nehmen – ich bin hier selber ein großes Opfer und nehme mich da nicht aus. Oft aus Bequemlichkeit, wird schnell etwas im Internet geordert. Und immer wieder, wenn ich mich dabei erwische, ärgere ich mich maßlos über mich selbst. Wieso verfällt man so schnell wieder in alte Muster?

Ich glaube ein Phänomen ist auch, dass wir es oft nicht “greifen” können, was wir wirklich damit auslösen. Ob es die Ausbeutung diverser Länder ist, die Giftstoffe und Chemikalien, die CO2 Ausstöße durch den Transport, die unterbezahlten Paketzusteller und und und. Wir wissen, es ist nicht gut, aber wenn der Paketzusteller lächelnd vor der Haustür mit unserem Paket steht, haben wir das schon wieder vergessen.

Wir sind eine Gesellschaft, der es definitiv zu gut geht. Auch wenn wir (Anm.: Deutsche) Meister im lamentieren sind, am Ende funktioniert alles und wir können nicht klagen. Schließlich haben wir ein Dach über den Kopf, was zu Essen, Trinkwasser aus der Leitung und können vor die Haustür wann wir wollen. Schließlich erwarten uns hier keine Gefahren. Diesen Luxus begreifen einen Großteil nicht, die in dieser Welt leben. Uns geht es gut! Uns geht es zu gut! Daher können wir auch den restlichen Menschen auf diesem Planeten und dem Planeten selber etwas zurückgeben, nicht wahr? Was hält uns davon ab, Sachen zum Guten hin zu beeinflussen? Wir können Geld und Dinge spenden, ohne das es uns weh tut, aber anderen wirklich wirklich hilft! Wir müssen uns nur mal über andere informieren und über den Tellerrand hinaus schauen. Und die Ausrede: ach ob mein Geld oder meine Sachen dort wirklich vor Ort ankommen … Und dann lieber gleich lassen? Wieso? Inzwischen gibt es überall auch lokale Vereine, mit denen man persönlich Kontakt aufnehmen kann und nicht eine große Gesellschaft angehörig sind, die noch von den Spenden Logistik-/Bearbeitungspauschalen abziehen.
Jede*r einzelne muss sich nur hinterfragen, will ich wirklich was gutes tun? Dann macht es doch bitte auch! Es gibt auch genug lokale Institutionen die Hilfe in der eigenen Stadt brauchen. Ob verarmte Kinder oder Rentner, oder Vereine die einfach Unterstützung brauchen. Es gibt schier unendlich Möglichkeiten!
Ich suche mir immer einen Mix aus nationalen und internationalen Aktionen heraus. Die, die mich überzeugen oder wo ich einfach das Bauchgefühl habe, die haben es gerade am Nötigsten. Dann informiere ich mich ein wenig und dann geht das Geld heraus.

2021 werde ich auch einen Charity Lauf planen. Hier werde ich im Vorfeld eine Aktion ankündigen, wohin die Spende geht und dann ein Ziel festlegen. Wer sich beteiligen möchte, kann dies dann gerne tun!

Zurück zum eigentlichen Thema – Konsum! Wir konsumieren wie wild, ohne uns aber auch die Frage zu stellen, was ist mit der Verpackung?
Wenn wir etwas bestellen, haben wir zusätzlich einen Karton und oft auch noch Verpackungsmaterial. Kaufen wir im Geschäft, können wir darauf verzichten und haben mehr Einfluß. Natürlich hat dann das Geschäft den Müll und wir müssen unsere eigene Anfahrt zum Geschäft mit bedenken (außer wir laufen oder fahren mit dem Rad).
Am gravierendsten ist es doch bei Lebensmittel. Was hier alles in Plastik eingepackt ist, ist doch der Wahnsinn. Nicht wahr? Es gibt die ein oder andere Sache, da habe ich noch keine Lösung, wie man auf die Verpackung verzichten kann. Hilfreich sind die Unverpackt-Läden, bzw. die immer größer wachsende Unverpackt-Bereiche in den Supermärkten. Oder es werden Lebensmittel in größeren Mengen gekauft. Spart ebenfalls Müll.
Bei vielen Produkten, können wir das beeinflussen!

Wie gehe ich es, zusammen mit meiner Familie in der Praxis an? Natürlich bekommt man in den letzten Monate mit, dass sich bei dem Thema immer mehr Menschen Gedanken machen. In den Social Media wird es auch immer mehr thematisiert. Und es gibt immer mehr “grüne” und “nachhaltige” Produkte. Doch sind die wirklich nachhaltiger, als die bisherigen? Dazu die vegane und vegetarische (ich nenne es mal) Bewegung – immer mehr Produkte werden vegan, immer mehr Menschen leben nach dieser Überzeugung. Dies ist auch gut und wichtig.
Doch leider glänzt auch hier nicht alles grün … wenn man nur in Richtung Soja, Palmöl und Avocados schielt. Daher Informationen beschaffen!

Wie zu sehen ist, egal wie es angegangen wird – es ist gar nicht so einfach. Denkt man, ein tolles, gesundes und nachhaltiges Produkt entdeckt zu haben, versteckt sich z.B. Palmöl darin. Gefühlt sind in 80% unserer Produkte Palmöl verarbeitet. Total verrückt. Egal worauf man schaut, bei den Inhaltsstoffen …

Doch wie kommen wir aus dieser Spirale heraus?
Wir haben erst einmal vor unserer eigenen Haustür begonnen. Zum Glück wohnen wir nicht weit von der Innenstadt Aschaffenburgs weg. Der Vorteil ist, dort findet 2x wöchentlich der Wochenmarkt statt.
Jedoch selbst da, muss einiges hinterfragt sein. Denn nicht alles was angeboten wird, ist auch tatsächlich regional. Was bei Ananas und Mango noch logisch ist, ist bei der Paprika oder dem ein oder anderen Apfel eben nicht selbstverständlich.
Daher haben wir gelernt (bzw. kennen unsere Stände) bei denen wir unser Gemüse, Salat, Obst, Käse oder auch Fisch und Fleisch holen. Nicht zu vergessen der Pasta Stand, mit selbstgemachter frischer Pasta und Pesto! 🙂
Wenn wir nicht gerade auf den Markt gehen, haben wir den Vorteil in unserem Stadtteil mit guten Bäckern und Metzgern versorgt zu sein. Und noch viel besser: einen eigenen Bauernhof und Bauernladen.
Dort holen wir dann frische Milch, Eier, Wurst und Käseprodukte. Oder natürlich auch Gemüse / Salat. Und das ist in der Tat wirklich alles direkt vor der Haustür angebaut.

Und letztendlich gehen wir natürlich auch in den Supermarkt. Aber achten dort ebenfalls, woher die Ware kommt. Aber dort holen wir eigentlich nur die Produkte, die wir bei den obigen Gelegenheiten nicht bekommen.
Sprich die weiteren Zutaten fürs Essen, Getränke und sonstige Artikel. Und hier kommt es bereits zum nächsten Problem – es ist sehr schwierig, hier auf Plastik zu verzichten.

Getränke -> Glasflaschen, Joghurt geht auch noch aus Gläsern, Öle / Essig auch, aber dann wird es schon eng. Daher hier probieren wir es so gut es geht, aber kommt doch noch einiges zusammen.
Noch schlimmer ist es in den Drogeriemärkten. Was ist hier nicht in Plastik verpackt? Wir achten hier zumindest bei Waschmitteln usw. – dass es recycelte oder umweltfreundlichere Verpackung handelt.
Inzwischen gibt es auch im Internet immer mehr Angebote mit z.B. Pads für die Spülmaschine die plastikfrei und frei von Mikroplastik sind.

Beim Duschen bin ich auf eine Duschseife umgestiegen. Kein Kunststoff mehr für die Behälter. Lediglich die Seife in ein Säckchen und einseifen. Am Anfang war ich skeptisch, doch funktioniert richtig gut.
Deo gibt es inzwischen auch aus Glas, und nicht aus Dosen oder Kunststoff. Bzw. während des Lockdowns benötigt man gar keines mehr 😛

An vielen Stellen ist es dann doch nicht so schwer. Wichtig ist, dass man aufmerksam ist. Woher kommen die Produkte. Muss es mein “ehemaliges” Lieblingsprodukt sein, oder kann es auch einfach etwas anderes sein? Was anderes muss eindeutig nicht schlecht sein und aus seinem gewohnten Trott zu steigen, ist oft auch nicht verkehrt.
Also es gibt viele kleine Schritte, bei denen man etwas bewegen kann. Wichtig ist nur, irgendwo anzufangen. Es geht definitiv nicht alles von heute auf morgen und man wird sich auch immer mal wieder erwischen, doch zu einem nicht so tollen Produkt, gemessen an seiner Ökobilanz, zu greifen. Daher anfangen und immer mal wieder reflektieren und daran denken! Dann wird das schon!

Und die Ausreden: wenn ich alleine das mache hilft das doch gar nichts? Stimmt, wenn niemand etwas ändert, wird es nicht helfen. Aber wenn es von Tag zu Tag immer mehr werden, dann auf jeden Fall!
Wenn man dazu bedenkt, dass Deutschland oder die EU ihren Plastikmüll nach Afrika schippert und dort ablädt … nach dem Motto, aus dem Auge aus dem Sinn … dann sagt das ebenfalls schon einiges aus!

Und bitte bleibt euch treu. Es bringt nichts, davon vorne herum zu erzählen und dann sich daheim nicht daran zu halten. Alles schon erlebt. “Wir kaufen nur regionale Produkte“, “Daheim kommt uns so was nicht auf den Grill” usw. – dann ist man zu Besuch und das abgepackte Billigfleisch aus dem Discounter steht neben dem Grill und beim Öffnen des Kühlschranks .. gut lassen wir das. Dann lieber dazu stehen, als etwas vorzugaukeln.
Genauso wenn man in einen Status schaut und dort sieht “Juchuh, auf dem Wochenmarkt frische gesunde Sachen gekauft” und alles war in Plastik verpackt … hmmm ok? Wieso muss man sich genau die abgepackten Waren herauspicken? Ja die gibt es tatsächlich auch auf dem Wochenmarkt. Nun gut. Wie gesagt, muss jeder für sich entscheiden!

Kommen wir zum Sport zurück. Wir Trailrunner leben von der Natur! Denn das ist unsere Spielwiese – wenn wir uns an die Regeln halten! Daher unseren Müll wieder mit heim nehmen und auf den gekennzeichneten Wegen bleiben. Es ist immer wichtig, den Trail (Wald, Berge) und dessen Bewohner zu respektieren. Manche Laufveranstalter lassen die Läufer ihre Riegel / Gels mit ihrer Startnummer beschriften. Schmeißt diese jemand weg und wird erwischt, wird man sofort disqualifiziert. Natürlich ist inzwischen bei einem Großteil der Wettbewerbe auch Pflicht, sein eigenes Trinkgefäß mitzunehmen und auf die Einwegbecher zu verzichten! Geht doch!

Wir alle wollen doch die Schönheit der Natur genießen! Wollen es unseren Kindern zeigen und die wollen es irgendwann auch ihren Kindern zeigen. Und es liegt doch an uns, wie wir tagein tagaus mit unserer Umwelt umgehen! Wenn ich jedes Mal durch meinen heimischen Wald laufe und was dort Müllberge überall sind. Ich kapier das nicht. Oft ganze Säcke, oder steht einfach mal eine Waschmaschine da. Hallo? Der Wertstoffhof liegt 500 Meter in die andere Richtung. Ist es nicht aufwendiger nachts seinen Mist hier zu entladen? Auf dem Wertstoffhof kostet es meistens nicht einmal was. Daher unverständlich das Ganze.

Aber auch wir Läufer*innen können so viel beeinflussen. Welche Marken wir benutzen und wie viel wir konsumieren.
Inzwischen sind viele kleine neue Hersteller auf dem Markt, die nachhaltig und faire Laufklamotten auf dem Markt bringen.
Auch auf dem Schuhmarkt tut sich einiges. Natürlich bestehen die Schuhe einen Großteil aus Kunstfasern, dem Schaum der Zwischensohle und und und.
Doch hier tut sich endlich was.

Daher:

  • Schaut einfach mal, die Laufsachen weniger zu waschen (z.B. bei Merino kann dies öfters getragen werden, aber Vorsicht: achtet wie die Merino Wolle gezüchtet wurde), bzw. weniger ist mehr.
  • Muss man wirklich 40 Shirts und 20 Hosen haben? Oft reichen auch 4-5 Shirts und 2 Hosen und einmal die Woche wird dann gewaschen. Selbst dann ist es noch zu viel.
  • Prüft die Marken:
    • wie & wo produzieren sie?
    • was versprechen sie?
    • Was machen sie für das Klima?
    • Sind die Artikel langlebig?
    • Wie nachhaltig und fair wird produziert?

Ja, ich habe auch viele Laufklamotten. Ich habe viele entweder verkauft und somit eine zweite Chance bei jemand andere gegeben, verschenkt oder gespendet. Was ich nicht brauche oder im Überfluß habe, können andere tagtäglich was mit anfangen.
Aber ja, ich habe immer noch zu viel und auch wenn ich mehr auf die obigen Punkte achte, muss ich in Zukunft mir selber auf die Finger klopfen!
Wie gesagt, alle alten Angewohnheiten abzulegen, geht nicht von heute auf morgen!

Und ich werde demnächst, grade zum Frühling hin, ein paar Müllsäcke mit in den Wald nehmen und den ganzen Quatsch, der dort nicht hingehört einsammeln. Und wenn wir wieder in Gruppen laufen dürfen, nehme ich auch die ganze Laufgruppe vom City Night Run mit, bzw. es gibt einen City Night Run – müllfreie Stadt Aschaffenburg Edition! 🙂

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